Unser Herzensthema: Emotionale Gesundheit

Mobirise

So sehr wir den Kindern zugestehen, ihre eigenen Ziele zu stecken, so möchten wir gleichzeitig ein Ziel für uns in aller Deutlichkeit definieren:

Wir wünschen uns für unsere Schüler:innen - wie auch für alle anderen Kinder dieser Erde -, dass die Schulzeit ihre Seele nährt und stärkt, sie über sich hinauswachsen und zu resilienten Menschen werden lässt. Menschen, die mit sich im Reinen sind und mit Lebensfreude Sinn in ihren Aktivitäten und Beziehungen sehen. Menschen, die mit einer mentalen und emotionalen Stärke ausgestattet sind, die sie belastbar macht für all die Herausforderungen, die unsere Zukunft ihnen bieten wird.

Das Leben und Lernen an der Freien Schule Münsterland unterstützt die Kinder in ihrer seelischen Verfassung dabei ganz grundlegend durch ein an ihren Bedürfnissen orientiertes Konzept:

Bindung ist weit über das Kleinkindalter hinaus entscheidend für die Entwicklung des Seelenheils und wirkt durch in der Kindheit entwickelte Muster bis in das Erwachsenenalter hinein. Daher ist unser Ziel als Schule, dass die Kinder in ihren familiären Stammgruppen von Wertschätzung geprägte Beziehungen in einer warmen Atmosphäre erleben und aktiv mitgestalten. Unsere Lernbegleiter:innen haben die anspruchsvolle Aufgabe, den Kindern durch ihr Vorbild Beziehungskompetenz als Grundlage für die gute Qualität von Beziehungen zu vermitteln: Wem Vertrauen entgegengebracht wird und wer in einem geborgenen Klima mit wohlwollenden Bezugspersonen die Sicherheit erfährt, dass er ohne die Angst vor Konsequenzen alles besprechen kann, was auf seinem Herzen liegt, wird dieses Gefühl des Aufgehobenseins mit auf seinen weiteren Lebensweg und in zukünftige Beziehungen nehmen. Wer Konflikte mittels gewaltfreier Kommunikation löst und bei Auseinandersetzungen Wertschätzung erfährt, wird diese Grundhaltung verinnerlichen und das innewohnende Potenzial der Konflikte erkennen. Wessen Fragen und Anliegen ein offenes Ohr finden und auf ernstes Interesse stoßen, wird die Überzeugung entwickeln, dass es sich lohnt, um Hilfe zu bitten, wenn man diese braucht. Der Mensch als soziales Wesen braucht Beziehungen für sein Wohlergehen. Wenn wir durch eine aktive Beziehungsorientierung dazu beitragen, dass zukünftige Generationen zum Führen tiefer Beziehungen fähig sind, legen wir damit einen Grundstein für eine emotional gesunde Gesellschaft.

Wir alle wissen, dass Bewegung unseren Körpern guttut. Doch sie vermag noch mehr, denn Körper und Geist sind miteinander verbunden. Bleiben wir in Bewegung, hat dies auch Auswirkungen auf unsere Psyche und damit auf unsere emotionale Gesundheit. Für Kinder ist Bewegung darüber hinaus Grundvoraussetzung für ihre gesunde körperliche und kognitive Entwicklung. (Nicht nur) aus diesem Grund können sich die Schüler:innen der Freien Schule Münsterland jederzeit bewegen, den Toberaum aufsuchen oder draußen rennen, klettern, hüpfen… Die dabei im Vordergrund stehende selbstständige Bewegungsentwicklung kann als Fundament für die Erkenntnis dienen, dass wir einen hohen Grad an Steuerungsmöglichkeiten in unserem Leben haben und nicht die Opfer äußerer Umstände sind. Bewegung führt also zu Eigenverantwortung und einer positiven Sicht auf Herausforderungen in Bezug auf die eigenen Kompetenzen.

Beim selbstgesteuerten und selbsttätigen Lernen müssen die Kinder mitunter einige Hürden meistern und sich anstrengen, um ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Sie lernen dabei lösungsorientiert zu denken und mit Rückschlägen umzugehen, was eine bedeutsame Fähigkeit ist, um emotional gesund zu bleiben, wenn es im Leben einmal nicht wie geplant läuft. Parallel dazu sehen die Kinder aber auch zunehmend ihre Erfolge und Fortschritte, die sie unabhängig von äußeren Bewertungen für sich einordnen dürfen. Dieses Erleben im Zusammenspiel mit der ermutigenden Begleitung durch ihre selbstgewählten Lernpartner*innen und ihre Lernbegleiter:innen führt zu einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung und einer hiermit in Verbindung stehenden ausgereiften Problemlösekompetenz.

Im Folgenden sind die Schwerpunkte unseres Herzensthemas kurz dargestellt. Eine etwas ausführlichere Sicht findet ihr in unserem vorläufigen  Kurzkonzept . Mehr zum Thema erfahrt ihr auf Anfrage in unserem Langkonzept, sobald dieses genehmigt wurde!

Schwerpunkte

Als Grundlage für ein emotional gesundes Leben ist es von großem Gewicht, Gefühle erkennen und mit ihnen umgehen zu können. Wir messen diesem Thema eine hohe Bedeutung bei und bieten den Kindern deshalb sowohl Kurse als auch breit gefächerte Angebote an, um sich eingehend mit Emotionen zu beschäftigen. Das Gefühl Traurigkeit nimmt dabei aufgrund unserer kulturellen Prägung eine Sonderstellung ein und ist immer auch verbunden mit dem Thema Trost, dem wir uns gründlich mit den Schüler:innen widmen.

Glauben wir daran, dass wir über uns selbst hinauswachsen können, sehen wir in Herausforderungen nicht die Aufforderung zu einer Leistung, sondern wissen um die Chance auf Entwicklung und Veränderung: Wir wollen lernen.

Ohne Bewertung, aber mit einer positiven Erwartungshaltung seitens der Lernbegleiter:innen, entdecken sie ihre Stärken und naturgegebenen Begabungen und entwickeln Kompetenzen. Damit erlangen sie Selbstvertrauen und finden einen zentralen Teil ihres Selbstkonzepts, der für sich allein aus unserer Sicht aber nicht fürs Leben stärkt. Selbstvertrauen als Resultat unserer Erfahrungen ist zweifelsfrei wichtig, damit Kinder an sich glauben. Eine mindestens so große Rolle für ein dynamisches Selbstbild spielen aber die Erwartung an die eigene Selbstwirksamkeit und eine positive Sicht auf Fehler.

Die Kinder erfahren sich und ihre Mitschüler:innen in einem hohen Maße als selbstwirksam: Sie erleben sich als Selbstgestalter:innen ihrer Lernprozesse, treffen selbstständig Entscheidungen in ihrer Auswahl der Lernangebote und arbeiten verantwortungsvoll in Projekten, in denen sie etwas Reales schaffen. Sie stehen vor Problemen, gehen diese selbstständig an und erlangen Übung darin, in Alternativen statt in Gegensätzen zu denken. Kurz gesagt: Sie machen jeden Tag eine Menge Erfahrungen und erleben sich als Problemlöser:innen.

Auch können sie ihre Anliegen jederzeit an ihre Lernbegleiter*innen herantragen und sich gehört und gesehen fühlen. Anschaffungen für die Schule, die Auswahl von Ausflugszielen oder Wünsche für Lernangebote… alles was die Kinder betrifft, dürfen sie auch mitdiskutieren. Sie gestalten ihre Gegenwart und ihre Zukunft mit. Ein Mitspracherecht wird für die Kinder schnell zur Selbstverständlichkeit, die ihr Selbstbild formt: Ich kann etwas bewirken! Ich habe Einfluss auf die Umstände in meinem Leben!

Fehler werden von uns nicht bewertet, sondern als lohnendes Element der Lernprozesse aufgegriffen. Das geschieht einerseits bei Abschluss von Projekten oder Kursen, aber andererseits auch ganz gezielt und individuell in Dialogen.

Die Kinder dürfen bei uns Glaubenssätze für einen realistischen Optimismus verinnerlichen: Ich kann das noch nicht, aber ich kann es erlernen, wenn ich es wirklich will. Ich bin frei, das bestmögliche Ich zu werden. Ich erschaffe mein Leben selbst. Ich habe die Verantwortung für mein Leben selbst in der Hand. Ich wandle mich stetig und wachse. 

Unser Selbstwertgefühl hat großen Einfluss darauf, wie wir durchs Leben gehen und mit anderen Menschen in Kontakt treten. Der Psychologe Dan Svarre (vgl. 2013: 39f) beschreibt das Selbstwertgefühl wie folgt: Das Selbstwertgefühl entsteht durch unseren Blick auf unsere Eigenschaften. Ein gesundes Selbstwertgefühl speist sich folglich aus der Akzeptanz und Wertschätzung unserer Eigenschaften. Dürfen sich diese frei entfalten und stehen wir ihnen positiv und mit Stolz gegenüber, pflegen wir unseren Selbstwert. Genauso hat es eine Bedeutung, wenn unsere Mitmenschen unsere Eigenschaften annehmen und achten.

Unsere Botschaft an das Kind ist: „Du bist hier erwünscht, du bist wertvoll und wichtig!“ - unabhängig von Leistung und Verhalten. Erwartungen und Rückmeldungen an die Kinder stellen wir sehr vorsichtig und mit hohem Bewusstsein in Bezug auf die sprachliche Wirkung. 

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul (2015: 98) definiert das Selbstgefühl „als unser Wissen und erleben, wer wir sind.“ Juul (vgl. 2015: 98) beschreibt es weiterhin als den Grad unserer Selbstkenntnis und unser darauf bezogenes Verhalten. Ein gesundes Selbstgefühl kann man sich dabei als eine Art innere Säule vorstellen, die dafür sorgt, dass wir in uns ruhen und ein tiefgehendes Wohlbefinden verspüren.

Es geht also darum, dass wir mit uns selbst im Einklang leben, indem wir wirklich bei uns sind und unser angeborenes Gefühl für unser Selbst beibehalten. Dazu gehört es, seine eigenen Grenzen zu empfinden und diese im zweiten Schritt auch gegenüber anderen zu vertreten. Es ist eine Kunst, seinen Blick nach innen zu richten, seine eigene Integrität bestimmt zu wahren und gleichzeitig Einfühlung für das Gegenüber zu zeigen, sodass wir wahrhaftig in Beziehung mit unseren Mitmenschen gehen. 

(Quelle:  Juul, Jesper (2015): Dein kompetentes Kind, 12. Aufl., S. 98, Hamburg: Rowohlt.) 

Die Kinder an der Freien Schule Münsterland machen sich auf den Weg, ihre Verbindung von Körper und Geist nachzuspüren und entsprechend mit der Hilfe ihrer körperlichen Signale für ihre innere Balance zu sorgen. Die Kernfrage dieses Bereichs ist stets: „Was tut mir gut? Welche Rituale helfen mir, um meine Mitte zu halten?“.

Wir wünschen den Kindern, dass sie sich selbst entdecken, ihre Persönlichkeit in allen Facetten kennenlernen und ein positives Selbstbild ausbilden.

Sie lernen sich intensiv selbst kennen und machen für sich wichtige Säulen ihres Seins aus: Was mache ich besonders gern? Wann fühle ich mich richtig gut? Welche Themen sind mir so wichtig, dass sie ständig in meinem Kopf herumschwirren? So leisten sie wertvolle Vorarbeit um über Sinnerfüllung in ihrem Leben nachzudenken.

Jeder Mensch ist anders und bringt seine ganz ureigenen Anlagen mit auf die Welt, die einen Teil seiner Persönlichkeit ausmachen. Wir sind davon überzeugt, dass es für die Kinder von hoher Bedeutung ist, über bestimmte angeborene Persönlichkeitsstrukturen (wie Intro- und Extroversion; Hochsensibilität) Bescheid zu wissen, damit sie sowohl sich selbst als auch andere verstehen und akzeptieren können. 


>>In uns selber liegen die Sterne unseres Glücks.<<

Heinrich Heine

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